Elinor Ostrom – Gemeinschaft statt Zwang oder Privatisierung

Elinor Ostrom (1933–2012) war eine US-amerikanische Politikwissenschaftlerin und erhielt 2009 als erste Frau den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften. Ihre Forschung widerlegte eine der wichtigsten Annahmen der klassischen Wirtschaftslehre:

Gemeinschaftliches Eigentum muss nicht scheitern.

Über Jahrzehnte untersuchte sie Gemeinschaften auf der ganzen Welt, die Wälder, Fischbestände, Weideland oder Bewässerungssysteme gemeinsam verwalteten. Entgegen der verbreiteten Meinung zeigte sie, dass Menschen durchaus in der Lage sind, gemeinsames Eigentum langfristig erfolgreich zu organisieren – ohne vollständige Privatisierung und ohne eine zentralistische Staatsverwaltung.

Für die GSIP gehört Elinor Ostrom deshalb zu den wichtigsten wissenschaftlichen Inspirationen.


 

Was wir an Elinor Ostrom schätzen

 

Gemeinschaftliches Eigentum kann funktionieren

Vor Ostrom dominierten zwei Vorstellungen:

Entweder gehört etwas Privatpersonen.

Oder es gehört dem Staat.

Ostrom zeigte anhand zahlreicher Beispiele, dass es einen dritten Weg gibt:

Menschen können Ressourcen gemeinsam verwalten, wenn sie klare Regeln, Transparenz und gegenseitige Verantwortung entwickeln.

Für die GSIP bestätigt dies den Gedanken der Bürgerwirtschaft.


 

Verantwortung statt Kontrolle

Ostrom stellte fest, dass Menschen deutlich verantwortungsvoller handeln, wenn sie selbst an den Regeln beteiligt sind.

Nicht permanente Überwachung sorgt für funktionierende Gemeinschaften.

Sondern Mitbestimmung, Transparenz und gegenseitige Verantwortung.

Dieser Gedanke findet sich im gesamten GSIP-System wieder.


 

Lokale Erfahrung ernst nehmen

Ostrom kritisierte die Vorstellung, Experten oder Regierungen wüssten grundsätzlich besser, wie Probleme gelöst werden.

Sie zeigte, dass Menschen vor Ort oft über das beste Wissen verfügen, um ihre Umwelt sinnvoll zu organisieren.

Auch im GSIP entstehen Lösungen in erster Linie durch die Bürger selbst.


 

Kooperation ist lernbar

Viele wirtschaftliche Theorien gehen davon aus, dass Menschen überwiegend egoistisch handeln.

Ostrom zeigte dagegen:

Menschen können Kooperation lernen und dauerhaft praktizieren, wenn faire Regeln bestehen.

Für die GSIP ist dies ein wichtiger wissenschaftlicher Hinweis darauf, dass gesellschaftliche Verantwortung nicht nur ein moralisches Ideal, sondern praktisch möglich ist.


 

Was wir kritisch sehen

Die GSIP übernimmt Ostroms Forschung nicht vollständig.

Ihre Untersuchungen bezogen sich überwiegend auf:

 

Dörfer,

regionale Gemeinschaften,

einzelne Ressourcen wie Wälder oder Fischbestände.

 

Sie entwickelte kein vollständiges Modell für die Organisation einer modernen Industriegesellschaft.

Außerdem beschäftigte sie sich kaum mit den Möglichkeiten digitaler Demokratie, künstlicher Intelligenz oder umfassender gesellschaftlicher Planung.


 

Der Unterschied zur GSIP

Die GSIP versteht Ostrom als wissenschaftliche Bestätigung dafür, dass gemeinschaftliche Verantwortung funktionieren kann.

Wir gehen jedoch deutlich weiter.

Während Ostrom hauptsächlich die Verwaltung gemeinsamer Ressourcen untersuchte, überträgt die GSIP dieses Prinzip auf die gesamte Gesellschaft.

Im GSIP werden nicht nur einzelne Wälder oder Bewässerungssysteme gemeinschaftlich organisiert, sondern unter anderem:

 

Wirtschaft,

Infrastruktur,

Bürgerarbeit,

politische Mitbestimmung,

Innovation,

öffentliche Verwaltung.

 

Moderne Technologien wie die BürgerApp und künstliche Intelligenz dienen dabei ausschließlich als Werkzeuge zur Unterstützung der demokratischen Zusammenarbeit.


 

Warum Elinor Ostrom die GSIP inspiriert

Viele Menschen behaupten, gemeinschaftliches Eigentum müsse zwangsläufig scheitern.

Elinor Ostrom zeigte mit jahrzehntelanger wissenschaftlicher Forschung, dass diese Annahme falsch ist.

Sie bewies nicht, dass jede Form gemeinschaftlicher Organisation erfolgreich ist.

Sie bewies jedoch, dass Menschen unter geeigneten Bedingungen dauerhaft kooperieren, Verantwortung übernehmen und gemeinsame Güter erfolgreich verwalten können.

Für die GSIP ist sie deshalb weniger eine politische als vielmehr eine wissenschaftliche Inspiration.


 

Literatur

Elinor Ostrom: Governing the Commons: The Evolution of Institutions for Collective Action. Cambridge University Press, 1990.

Elinor Ostrom: Understanding Institutional Diversity. Princeton University Press, 2005.

Elinor Ostrom: Working Together: Collective Action, the Commons, and Multiple Methods in Practice. Princeton University Press, 2010.

Vincent Ostrom, Charles Tiebout & Robert Warren: The Organization of Government in Metropolitan Areas. American Political Science Review, als ergänzende theoretische Grundlage.

Charlotte Hess & Elinor Ostrom (Hrsg.): Understanding Knowledge as a Commons. MIT Press, 2007.

 

Häufig gestellte Fragen

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